Von Michael Mosuch / RED
Der FC Bundestag zieht wieder in den europäischen Fußballwettbewerb – vom 14. bis 17. Mai trifft die deutsche Auswahl bei der 53. Parlamentarier-EM auf Teams aus Finnland, Österreich und der Schweiz. Gespielt wird im Buniamshof-Stadion in Lübeck – also fernab des politischen Alltags in Berlin, in dem Fouls und Blutgrätschen eher verbaler Natur bleiben.
Die deutsche Delegation will „auf europäischer Fußballbühne überzeugen“, teilt der FC Bundestag mit. Neben sportlichem Ehrgeiz stünden „Zusammenhalt, Fairness und Respekt“ im Mittelpunkt – Eigenschaften, die sich Beobachter gelegentlich auch im parlamentarischen Betrieb wünschen.
Finnland ist Favorit
Sportlich wartet auf die Bundestagskicker allerdings ein anspruchsvolles Programm: Am Freitag geht es zunächst gegen die Schweiz und Finnland, am Samstag folgt Österreich. Gerade Finnland reist mit breiter Brust an. Nach drei EM-Titeln in Folge gelten die nordischen Parlamentarier erneut als Favoriten – eine Art FC Bayern des politischen Freizeitfußballs.
Starker Kader
Dabei sieht sich auch das deutsche Team gut aufgestellt. Der Kader sei so stark besetzt wie seit dem letzten EM-Triumph vor vier Jahren nicht mehr, heißt es. Nach dem Titelgewinn 2022 folgten allerdings weniger glanzvolle Ergebnisse: Platz drei in Bern sowie zwei vierte Plätze in Österreich und Finnland. Anders formuliert: Die Koalition aus Anspruch und Ergebnis geriet zeitweise ins Wanken.
Kapitän Fritz Güntzler (CDU) gibt sich dennoch demonstrativ kontrolliert: „Wir fahren mit einem sehr starken Kader nach Lübeck und wollen dort zeigen, was in dieser Mannschaft steckt. Nach unserem Titelgewinn 2022 wissen wir, dass wir bei dieser EM jeden Gegner schlagen können, wenn wir als Team auftreten und diszipliniert bleiben. Trotzdem ist klar: Es ist nicht die Zeit für markige Kampfansagen in Richtung der drei anderen Teams, sondern für Spielfreude, Konzentration und Disziplin auf dem Platz. Dabei wird uns zum Glück wieder Felix Magath als Trainerlegende tatkräftig an der Seitenlinie unterstützen.“
Allein der Name Magath dürfte unter den Parlamentariern bereits mehr Schweißausbrüche verursachen als die nächste Rentendebatte. Der frühere Bundesliga-Coach ist schließlich nicht nur für Trainings mit Medizinbällen bekannt, sondern auch für den legendären „Magath-Hügel“ in Wolfsburg – eine Trainingsstätte, die Fußballprofis regelmäßig an die Grenze zwischen Leistungsdiagnostik und Nahtoderfahrung brachte. Für manche Bundestagsabgeordnete dürfte bereits die Vorstellung davon belastender sein als drei Tage ununterbrochener Haushaltsdebatte bis 2 Uhr morgens und ein nachfolgender Auftritt bei Markus Lanz.
Das Team 2026
Die Delegation wird geleitet von Kapitän Fritz Güntzler (CDU). Zudem stehen folgende Abgeordnete im Kader: Daniel Baldy (Vizekapitän), Florian Bilic, Hendrik Bollmann, Felix Döring, Bastian Ernst, Johannes Fechner, Tim Klüssendorf, Johannes Schätzl, Carsten Schneider, Michael Schrodi, Maja Wallstein und Tina Winkelmann. Darüber hinaus wird das Team durch ehemalige Bundestagsabgeordnete unterstützt: Dieter Janecek, Philipp Hartewig, Patrick Kurth, Erik von Malottki und Bernd Reuther. Seit 1971 treffen sich Parlamentariermannschaften aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Finnland jährlich zum Turnier. Offiziell stehen „persönlicher Austausch und freundschaftliche Verbundenheit“ im Mittelpunkt. Inoffiziell dürfte aber auch diesmal wieder die wichtigste Frage des Wochenendes lauten: Wer schafft es, die Abseitsregel und den eigenen Koalitionsvertrag halbwegs widerspruchsfrei zu erklären?
